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Kunststile

Die Gotik

Dieser Kunststil umfasste ganz Europa und setzte den Trend in der Malerei zwischen 1370 und 1430. Wir begegnen ihr in den Skulpturen schöner Madonnen, Wand-, Tafel-, und Buchmalerei sowie Goldschmiedkunst. Der Begriff umschreibt stilistische Merkmale, jedoch besteht kein Zusammenhang zwischen den einzelnen Werken.

Die zunehmende Mobilität nach der Pestepidemie von 1348 ermöglicht schnelleren Ideenaustausch. Kunstwerke werden zum Mittel der Diplomatie, Geschenke zwischen Höfen und Regierungen. Es ist eine verfeinerte Hofkultur deren Standard vom böhmischen Hof und später von den burgundischen Herzögen gesetzt wurde. Schimmernde Goldgründe, delikat wechselnde Farben, preziöse Gesten und vieldeutig lächelnde Heiligen- und Engelsgesichter zeichnen die Kunstrichtung aus.

Der Mensch im Mittelalter versteht sich mehr und mehr als Individuum, weshalb die private Andacht immer wichtiger wird. Kleine Altartäfelchen für den Hausgebrauch werden des öfteren in Auftrag gegeben. Sie umfassen Darstellungen von Tod und Vergänglichkeit. Insbesondere die dogmatischen Glaubensinhalte im Umkreis des für die Inquisition zuständige Dominikanerordens zierten die Andachtstafeln.

Künstler aus dieser Zeit sind beispielsweise Gentile da Fabriano, Jan van Eycks oder Stephan Lochner. Die Bilder wurden in Tempera auf Holz gemalt.

Die Hochrenaissance und Manierismus

Die Welt ist im Umbruch. Um das Jahr 1500 wird das Selbstverständnis der Menschen zutiefst erschüttert. Mit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus 1492 wird die Vorstellung von der runden Scheibe der Erde über Bord geworfen und Kopernikus stellt 1512 die Sonne in das Zentrum. Diese Tatsache stürzt die Kirchengeschichte in ihre grösste Krise. Der Abschied der festgefügten Gesellschaftsordnung des Mittelalters nimmt seinen Lauf. Die Wut der Klassen artet mit dem Bauernkrieg 1524 bis 1525 aus. Hexenverfolgung und Inquisition werden zum traurigen Alltag. 1492 werden die letzten Mauren und alle Juden aus Spanien vertrieben. Kaiser Karl akzeptiert die Nationalstaatenbildung und die Kämpfe um die Vorherrschaft in Europa wird in Italien ausgetragen.

Die Künstler reagieren auf die Umwälzungen unterschiedlich. Die italienischen Maler der Hochrenaissance blenden die Ereignisse aus und schaffen abgeklärte, in sich ruhende Kunst der Antike mit den Errungenschaften des Quattrocento, die sich in einer grossen Synthese verbinden. Der Begriff Hochrenaissance ist schwierig zu definieren. Die italienischen Maler setzen sich mit den antiken Tendenzen auseinander und spiegeln eine bestimmte "Maneria", Machart wieder. Es ist eine Reaktion von Literatur, Malerei, Skulptur und Architektur auf die veränderten Rahmenbedingungen. Die Kunst ist kompliziert wie ihr Umfeld und erst die Gegenreformation wird wieder klare Verhältnisse schaffen.

Berühmte Künstler aus dieser Zeit: Leonardo Da Vinci, (Mona Lisa 1500/2), Michelangelo (Die Sixtinische Decke 1508/12), Raffael (Die Schule von Athen 1508/12), Tizian 1519/26 etc.

Barock - Die Kunst des 17. Jahrhunderts

Der Begriff "Barock" kommt aus dem Portugiesischen und bezeichnet eine schiefrunde Muschel, die Juweliere zu Perlen verarbeiteten. Italienisch "barocco" oder französisch "baroque" steht für schwülstige, mit Pathos beladene Kunst und Literatur.

Die Epoche des Barocks wird bestimmt durch die Stabilisierung der religiösen Teilung Europas in protestantische und katholische Gebiete. Um 1648 wird der Dreissigjährige Krieg beendet. In der Folge erstarkt Frankreich unter Ludwig XIV, auf der andern Seite steht das Habsburgerreich als zweite katholische und absolutistische Grossmacht gegenüber.

Zu dieser Zeit wird - vor allem in den protestantischen Niederlanden - eine Flut von Bildern produziert. Die Bilder feiern und ermahnen eine pragmatisch handelnde Gesellschaft, welche die Scham des Reichtums abarbeitet, indem sie die Wirklichkeit bis in kleinste Detail abbildet.

Im katholischen Europa überwiegt die religiöse Kunst bei der strenge Massstäbe gesetzt werden. Diese soll verständlich, einfach, dezent und anbetungswürdig sein. Überwacht wird die Einhaltung der Vorgaben direkt oder indirekt durch die Inquisition und die Akademien. Wichtiger Motor waren die Jesuiten, die mit dem Bau der ersten Jesuitenkirche "Il Gesu" in Rom zum Vorbild der Barockkirchen wurden.

Beiden gemeinsam war die bewegte Bildersprache: Tod und pralles Leben als Hauptthemen der barocken Kunst.

Beispiele dieser Künstler sind: Caravaggio (Bacchus 1595), Velàzquez (Las Meninas 1656), Johann Liss (Der Tod der Cleopatra 1622-24), Claude Lorrain (Landschaft mit Errettung der Psyche 1666), Peter Paul Rubens (Die Folgen des Krieges 1736), Rembrandt (Der Segen Jakobs 1656),

Der Klassizismus

Ab etwa 1760 lässt sich international unter Einfluss der rationalen Philosophie der Aufklärung eine verstärkte Rückwendung auf antike Formen und Themen feststellen - der Klassizismus. Die Tendenz macht sich zuerst in der Architektur und Innenraumgestaltung bemerkbar. Das französische Rokoko wird vom Louis-Seize abgelöst.

Es findet eine Rückkehr zu den klassizistischen Monumentalformen des 17. Jahrhunderts statt.

Meister aus dieser Periode: Jacques-Louis David (Schwur der Horatier 1784) , Francisco Goya (Die Erschiessung der Aufständischen am 3. Mai 1808, 1814).

Die Romantik

Unter Romantik versteht man eine gesamteuropäische Strömung des 18. Jahrhunderts, welche die bildende Kunst, Architektur, Literatur und Musik umfasste. Bei dieser Kunstrichtung entwickelte die Romantik eine eigene Theorie, die aus drei Grundelementen bestand; erstens: die Emotionen und die Intuition über die Vernunft zu stellen, zweitens: fester Glaube, dass es entscheidende Momente von Erfahrungen gibt, welche vom Vernunftsinn nicht erfasst und vernachlässigt werden und drittens: die Überzeugung von der umfassenden Wichtigkeit des Individuellen, Persönlichen und Subjektiven. Erstmals stellten Literaten den Künstlern ein Vokabular zur Verfügung mit dem sie sich zu ihren Bildern sprachlich äusseren. Diese theoretische Begleitung des Kunstschaffens gehört seither zu jeder künstlerischen Bewegung.

Künstler dieser Epoche waren Johann Heinrich Füssli (der Nachtmahr 1782), Caspar David Friedrichs (Das Kreuz im Gebirge 1808).

Der Impressionismus

Der Impressionismus beendet die jahrhundertealte Tradition der Malerei. Das Bild ist nun ein unabhängiges Kunstwerk, so wie es der Maler geschaffen hat - ohne Vorgabe der Auftraggeber. Dabei bilden sich zwei Schwerpunktthemen heraus: Da ist einerseits das moderne Leben der Grossstadt mit ihrem vielseitigen Treiben, da wo Glanz und Elend nahe beeinander sind. Und auf der anderen Seite zieht es die Impressionisten aufs Land, in die Provinz. Alltagsmotive interessieren, die Entdeckung friedlicher Momente im Spiel von Licht und Schatten, Farbe und Form. Als weiteres Novum etabliert sich die Freilichtmalerei; das rasche Malen, draussen, direkt vor dem Motiv. Mit kurzen, mal zarten, mal wie hingeworfenen Pinselstrichen entwickelt sich das Bild beim Malen selbst. Im raschen Entwicklungsprozess werden die Farben immer heller durch gesetzte Striche oder Punkte. Um etwa 1870 ist der Stil voll entwickelt. Selbst beim scheinbar spontan auf die Leinwand geworfenen Bild ist der Reflexionsprozess des Malers als intellektueller Prozess zwischen Reizaufnahme über die Augen und des Malers selbst zwischengeschaltet.

Nach einer Krise des Impressionismus in den 1880er Jahren weicht die Unschuld des Pinsels synthetischen Versuchen der systematischen Naturerfassung.

Der wohl bedeutendste Künstler des Impressionismus ist Claude Monet (Impressionen, Sonnenaufgang 1873), oder August Renoir (Die Loge 1874), Vincent van Gogh (Die Ebene bei Auvers 1890).

Jugendstil

Art Nouveau, Jugendstil in Deutschland oder Sezessionsstil in Oesterreich bezeichnet eigentlich einen Dekorationsstil, der im Kunstgewerbe (Schmuck, Geschirr, Glas) einflussreicher ist als in der Malerei. Der Jugendstil verbindet den Hang zum Gesamtkunstwerk. Der Begriff wurde im Hinblick auf das Musiktheater Richard Wagners geprägt im "Ring der Nibelungen" und im Bühnenweihfestspiel "Parsifal" wo Musik, Literatur und künstlerisches Bühnenbild eine grösst mögliche Einheit bilden.

Der bekannteste Künstler dieser Zeit ist sicherlich Gustav Klimt, der die Mytholgie zur Grundlage nimmt. (Der Kuss 1907/08), oder Egon Schiele, der versucht die labile psychische Verfassung der untergehenden Donaumonarchie einzufangen. (Umarmung 1917).

Symbolismus

Der Symbolismus ist eine Gegenreaktion auf die malerischen Experimente der Impressionisten. Es laufen Strömungen der Romantik weiter, die der Industriegesellschaft eine Welt der dunklen Mythen, okkulten Gedanken und erotischen Phantasien entgegensetzen. 1886 wurde erstmals im literarischen Zusammenhang der Symbolismus genannt. So im Gedicht "Correspondences" (Übereinstimmungen) schildert der Lyriker Charles Baudelaire einen Gang durch den tempelgleichen Wald der Natur, aus dem dunkle Worte klingen. Es werden vor allem Themen des Unterbewussten, Verdrängten, vor und parallel zu Freuds Formulierung der Psychoanalyse behandelt.

Als Künstler sind beispielsweise zu nennen: Gustave Moreau, der erste französische Symbolist (Die Erscheinung - L'Apparition 1876) oder Arnold Böcklin (Die Toteninsel 1880).

Der Fauvismus, Expressionismus

Der Name Fauves (Wilden) verdankt eine Künstlergruppe einem Kunstkritiker. Anlässlich einer Ausstellung 1905 in Paris wurde dieser Übername abschätzig ausgeteilt. Die lose Gruppe ist um 1898 bis 1908 aktiv. Aufbauend auf die Postimpressionisten wie van Gogh oder Gaugin malen die Künstler ihre Gefühle voller Expressivität, die Sujets ohne Umwege mit intensivem Einsatz von reiner Farbe u.a. Portraits, Landschaften und weibliche Akte. Die Fauves sind international aktiv. Ihre Ausstellung in Berlin anno 1906 erregt grosse Aufmerksamkeit - vor allem Kritik. Dabei sind die deutschen Expressionisten politischer als die Franzosen. Auch der Bezug zur sichtbaren Realität bleibt immer erhalten. Um 1913 lösen sich die verschiedenen Gruppen auf, der Malstil hingegen überdauert.

Bekannte Künstler sind Henri Matisse (Das rote Zimmer 1908) oder Ernst Ludwig Kirchner (Selbstportrait mit Modell 1907).

Kubismus und De Stijl

Der Kubismus wird fast zeitgleich 1907/08 von den Malern Pablo Picasso und Georges Braque erfunden. Vor dem Hintergrund der Philosphie von Henri Bergsons, der Zeit und Leben als ein fliessendes, facettenreiches Kontinuum beschreibt, experimentieren die beiden Künstler mit vielansichtigen Bildfiguren, die sie in Prismen und Kuben auflösen. Die Analyse des vorgegebenen Gegenstandes - die zur Bezeichnung des analytischen Kubismus beiträgt - und die künstlerische Synthese sind in der Malerei ein fixierter Prozess das Thema, nicht das Sujet im klassischen Stil.

Als Beispiele sind zu nennen: Marcel Duchamp (Akt, die Treppe herabsteigend Nr. 2 1912) Juan Gris (Der Harlekin 1924).

Beim De Stijl verkündete die einflussreiche, von Theo van Doesburg gegründete, letztmals 1932 erschienene niederländische Zeitschrift "De Stijl" eine grundlegende Erneuerung aller Kunstgattungen. Die ersten Ausgaben werden überwiegend durch die Schriften von Piet Mondrian geprägt. Hier werden theosophische Gedanken und mystische Philospophie zur Grundlage. Meer und Wald werden im Gedankengang des Malers zu reinen Linien, die Farben von Landschaft und Natur zu reinen Primärfarben.

Wegweisend ist Piet Mondrian (Komposition 1922) oder El Lissitzky (Raum der Abstrakten 1927)



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